SPIELFELD - Theaterspielgruppe Lilienfeld

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2011 - Fo, Siebentens, stiehl ein bisschen weniger

Bezirksblätter - Ausgabe Bezirk Lilienfeld (7.6.2011):

Es lebe die Freiheit!
Am Donnerstag war Theaterpremiere im Dormitorium des Stiftes. Die Theatergruppe Spielfeld (Obmann Merten Gareiss) brachte ein Stück des Literaturnobelpreisträgers Dario Fo mit dem Titel „Siebentes: Stiehl ein bisschen weniger“ zur Aufführung.
Die leichtgläubige und naive Enea arbeitet als Totengräberin auf einem Großstadtfriedhof und ist Ziel für derbe Späße ihrer Kollegen. Ein Scherz über die bevorstehende Schliessung des Friedhofs wird von einer Realität, die von Lug, Betrug und Korruption bestimmt ist, eingeholt und entpuppt sich als ein Skandal, der bis in höchste Regierungskreise reicht.
In einer Welt, in der demonstrierende Arbeiter von Polizisten verprügelt und erschossen werden, kann ein unbedacht gesprochenes Wort schnell zum Verhängnis werden.
Eneas Ausruf: "Es lebe die Freiheit!" wird vom Direktor, tief verstrickt in Intrige und Korruption, gehört und lässt sie mit einem Schlag zum Mittelpunkt eines aberwitzigen und demaskierenden Schauspiels werden.

Unter der Regie von Massimo Rizzo wurde die Idee des volkstümlich-politischen Agitationstheaters verwirklicht und vom Ensemble auf hohem künstlerischen Niveau auf die Bühne gebracht. Zeitkritische und treffende Satire, dass einem das Lachen im Halse steckenbleibt, wechselt mit Gesangseinlagen und absurden Handlungssträngen. Aus gutem Grund waren die Aufführungen des vergangenen Wochenendes ausverkauft. Wer noch Restkarten erstehen kann, dem sind die Aufführungen vom 10. bis 13 Juni empfohlen.

Kritischer Sinn
„Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Phantasie, Intelligenz und das Gegenteil von Fanatismus.“ Das waren Worte von Dario Fo anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises. Gekonnt und bissig wurde aktuelle Kritik in einer surrealen Satire von der Theatergruppe im Sinne des Meisters auf die Bühne gebracht.

Lilienfelder Rundschau 2/2011:

Erstmals „traute“  sich die Theatergruppe Spielfeld eine Stufe weiter Richtung Professionalität
ohne den Laienbühnencharakter zu verlieren. Mit dem Engagement von Profiregisseur Massimo Rizzo inszenierte die Gruppe das Stück „Siebentens, stiehl ein bisschen weniger“ von Literatur-Nobelpreisträger Dario Fo.

Ob diese Entwicklung gut oder doch eher schlecht für die hervorragende Laientruppe ist, war eine
der Fragen vor der Premiere. Und es war gut! Zumindest was das Ergebnis, nämlich das Schauspiel,
zeigte. Wenn man die strahlenden Gesichter aller Beteiligten - vom Regisseur und den Schauspielern
- am Ende der Premiere sah, dann war auch die Zusammenarbeit der Laien mit dem Profi gut!

Eine Sensation waren alle Schauspieler, aber besonders Emina Eppensteiner in der Hauptrolle. Drei
Stunden Aufführung und fast in jeder Szene auf der Bühne. Zwei weitere Rollen in der Rolle spielend und das mit viel Text noch dazu nicht in ihrer Muttersprache - wohl schon lange in Österreich,
aber trotzdem - verdient den allergrößten Respekt. Dazu eine schauspielerische Ausdrucksqualität, wo die Körpersprache zu Text, Inhalt und Stimmung passt - einfach wunderbar!

Aber auch alle anderen Darsteller waren eine Wucht! Besonders Gernot Löcker als „irrer“ Professor
oder auch Uwe Löcker in seiner Rolle als das Ehrliche entdeckender Geschäftsmann sind hervorzuheben.
Erwähnenswert ist aber auch - wieder einmal - Richard Einsiedl, der diesmal eine (besser gesagt drei) weniger tragende Rolle zu spielen hatte, der vor allem im zweiten Akt wieder seine Performance aus- und eindrucksvoll zeigte.
In fünf verschiedenen Rollen brillierte Dr. Merten Gareiss, dem man jede seiner Rollen sofort
„abkaufte“. Die beiden Rollen als Politiker qualifizieren ihn jedenfalls sofort für höchste politische Ämter, obwohl - wollen wir solche Politiker, wie in diesem Stück verkörpert?

Vielleicht sollte die Theatergruppe Spielfeld noch einen weiteren Schritt wagen, und zwar auf einer
größeren Bühne zu spielen. Vielleicht mit dem diesjährigen Stück im Parlament? Vor aktuellen und
ehemaligen Politikern der Republik Österreich. Obwohl das Stück in Italien spielt, wenn man den einen oder anderen Namen austauscht, passt es sicher auch hervorragend in die politische Landschaft Österreichs…

Lilienfelder Nachrichten (Juni 2011):

Alle, die im Theater bei Spielfeld waren, haben eine Meinung: Das war großartig.
Sowohl die schauspielerischen Leistungen wie auch die Regie und das gesamte
Rundherum begeisterten alle Besucher.

Unter der Regie von Massimo Rizzo spielten die „Laien“-Schauspielerinnen und
Schauspieler von Literaturnobelpreisträger Dario Fo das Stück "Siebentens, stiehl ein
bisschen weniger". Humor, tiefer Sinn, ...

Das Spielfeld, Kulturpreisträger der Stadt Lilienfeld, hat wieder für eine echte Bereichung des Lilienfelder kulturellen Lebens gesorgt.

Danke dafür!

Augustin (Robert Sommer 29.06.2011):

Emina Eppensteiner ist Hure, Totengräberin, Klosterschwester, Landvermesserin. Merten Gareiss ist Staatssekretär, Patient der geschlossenen Psychiatrie, Dieb, Minister, Arzt. Die jeweils letztgenannte Profession ist die reale. Alles andere sind Rollen. Auch die anderen Mitglieder der Theaterspielgruppe Lilienfeld, zusammen mehr als ein Dutzend, sind Laiinnen und Laien. Mit der mehrmaligen Aufführung des Dario-Fo-Stücks «Siebentens: Stiehl ein bisschen weniger» im Stift Lilienfeld ist so etwas wie ein Durchbruch gelungen, spürt das Ensemble, fiel auch Kritiker_innen auf.

Ein Durchbruch vom Dilettantischen im umgangssprachlichen Sinn («Nichtskönner») zum Dilettantischen im eigentlichen Wortsinn: zur Freude am Rollenspiel, zur Theaterleidenschaft. Großen Anteil daran hat der in St. Pölten lebende italienische Regisseur Massimo Rizzo. Er ist der einzige Nicht-Amateur des Fo-Abends. «Wir konnten uns erstmals eine professionelle Unterstützung leisten», erklärt Merten Gareiss. «Von dem Geld, das uns im Vorjahr als Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich zufloss, konnten wir den Regisseur honorieren.»
Dario Fo ist Nobelpreisträger, also gewissermaßen eine Autorität, mit deren Namen sich auch ein Stift schmücken kann. Aber es gibt keine Nobelpreisträgerin, keinen Nobelpreisträger, die/der die kirchliche Elite so verlacht wie Dario Fo, der kein moralisches Gefälle zwischen den Kirchenverantwortlichen auf der einen, den Mafiabossen und den Eliten des «offiziellen» Politik- und Wirtschaftslebens auf der anderen Seite erkennen kann.

Weiß eigentlich der Abt des Zisterzienser-Stiftes, welches Stück da unterm Gewölbe des Dormitoriums gegeben wird? Hat er den Wunsch des Christenmenschen wahrgenommen, lieber in den sinnlicheren Himmel der Muslime als in den unattraktiven engelswolkenkalten Himmel der Katholiken einzukehren? Hat er den Damenstrich im Dormitorium gesehen? Jene Linie zwischen Publikum und Bühne, auf der zwei Prostituierte stöckeln (der Herr Nachbar in der ersten Reihe wagt aus Rücksicht auf seine Gattin nicht, auf die stöckelnden Beine der Sexarbeiterin zu starren, die im realen Leben als Arztassistentin in Gareiss’ Ordination jobt), um den Theatervorhang auf- und zuziehen? Fragen eines auswärtigen Theaterbesuchers ...

Achtmal wurde das Fo-Stück aufgeführt, achtmal ohne politische Beanstandungen. Allerdings wurden an keinem der acht Abende Patres des Stiftes im Publikum gesichtet, erklärt Gareiss. Ein demonstratives Fernbleiben? «Ich denke nicht«, antwortet der Herr Doktor. «Es sind halt schon alte Herren, die gern früh schlafen gehen.» Im Übrigen habe auch die Stadtgemeinde Zugriffsrecht auf das Dormitorium des Stiftes; einen anderen Ort, der Theateraufführungen erlaubt, gäbe es in Lilienfeld nicht.
Auf den Fo sei die Gruppe gekommen, weil man dem Publikum einerseits eine volle Ladung Humor bieten wollte, andrerseits keinerlei Anlässe zum Schenkelklopfen. Dafür sei das Theaterexperiment nicht gegründet worden. Tatsächlich, es wurde viel gelacht im Stift Lilienfeld an diesen Juni-Abenden, obgleich es wohl kein sehr renitentes Lachen war. In einer entpolitisierten Gesellschaft wie der österreichischen kann Dario Fos Plan, die Schauspieler_innen wieder in die Rolle des mittelalterlichen «giullare» zu versetzen, nur schwer aufgehen.

2010 - Geschichten von Herrn K.

Niederösterreichische Nachrichten (19/2010):

Über ein dunkles Geschichtskapitel, die Zeit vor, während und direkt nach dem 2. Weltkrieg wagt sich die Theaterspielgruppe Lilienfeld in einer weiteren Eigenproduktion.

Trotz des schwierigen Themas und der Überlänge von drei Stunden gelingt unter der Regie von Susanne Schönbrunner eine kurzweilige Aufführung mit authentischen und packenden Zeitzeugenberichten. Das Erfolgsrezept: Durch die Bank imponierende schauspielerische Leistungen, viel Liebe zum Detail und Mut zu nicht alltäglichen Mitteln, wozu etwa die Verwendung von Handpuppen zählt. Die bisher beste Produktion der Laienschauspieltruppe.

Lilienfelder Rundschau (Juni 2010):

"Die Geschichten von Herrn K." waren im Mai Titel des Theaterstücks de Theatergruppe Spielfeld, die im Vorjahr den Kulturpreis der Stadt Lilienfeld erhalten hat. Basierend auf Berichten von Zeitzeugen formte die Gruppe um Regiesseurin Mag. Susanne Schönbrunner das bekannte Stück des "Herrn Karl" in eine zeitgeschichtliche Lokalinterpretation, die im Bezirk Lilienfeld spielte. Jahr für Jahr wird die Gruppe immer besser und entwickelt sich zum künstlerischen Geheimtipp. Das Cellarium im Stift bot ein passendes Ambiente für dieses Stück. Den Darstellern und der Regiesseurin ist zu dieser hervorragenden Leistung nur zu gratulieren. Einziger Wermutstropfen ist die fehlende Infrastruktur der Stadt für derartige Veranstaltungen - das Dormitorium oder das Cellarium können für derartige Veranstaltungen lediglich eine Notlösung sein. Hier sind ganze Lösungen statt halber Schritte gefragt!

Lilienfelder Nachrichten (Juni 2010):

Im Vorjahr wurde Spielfeld Lilienfeld, die Theaterspielgruppe, mit dem Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet.

Die diesjährige Aufführung zeigte wieder, dass diese Entscheidung richtig war. Unter der Regie von Mag. Susanne Schönbrunner wurde Lilienfelder Zeitgeschichte bearbeitet. Viele Zeitzeugen wurden befragt und um ihre Erinnerungen gebeten.

So kamen viele bekannte Lilienfelderinnen und Lilienfelder im Theaterstück vor. Ein Teil der jüngeren Geschichte unserer Heimat wurde im Stück und in der Ausstellung dargestellt. Viele Recherchen und viel Kleinarbeit waren dazu sicher notwendig.

Mit einem Film „Als ich das Skifahren lernte" gelang sogar noch ein Bezug zur Lilienfelder Skigeschichte. Die schauspielerischen Leistungen waren großartig, allen voran Richard Einsiedl. Danke und Hut ab für diese professionelle Leistung  einer Laienspielgruppe.



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